Kaffeeanbau und Ernte

Kaffeeanbau und Ernte: Wählerische Pflanzen mit dem gewissen Anspruch

Rund um den Äquator zieht sich der sogenannte Kaffeegürtel- und zwar zwischen den beiden Wendekreisen, also dem 20. Breitengrad südlicher und dem 20. Breitengrad nördlicher Breite: Hier gedeihen die Kaffeesträucher, deren Früchte weltweit so viel Genuss bereiten.

Kaffeeanbau in Jerico in Colombia
Kaffeeanbau in Minas Gerais State in Brazil

Kaffeeanbau – wichtige klimatische Anforderungen

Kaffeesträucher, die sich durchaus zu Bäumen auswachsen können, bevorzugen ausgeglichene klimatische Verhältnisse – es sollte also keine großen Temperaturschwankungen, aber auch nicht zu viel Sonne oder Hitze geben. Bei durchschnittlichen Temperaturen von 18 bis 25 ° C fühlen sich die Pflanzen wohl. Unterschreiten die Temperaturen 13 ° C wird es ebenso schwierig wie bei Hitze über 30 ° C – Frost vertragen die Kaffeesträucher überhaupt nicht. All diese Anforderungen erfüllen die Hochländer im Kaffeegürtel, die sich damit für den Kaffeeanbau empfehlen. Allerdings variiert die optimale Höhe je nach Sorte: Während Arabica zum Beispiel in Lagen zwischen 600 und 1.200 m am besten wächst, reichen für Robusta 300 bis 800 m Höhe.

Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Kriterium ist der Niederschlag: Zwischen 250 bis 300 Millimeter monatlich sollte es regnen, das entspricht einer jährlichen Menge von 1.500 bis 2.000 Millimetern. Sollten 1.000 Millimeter jährlich unterschritten werden, muss bewässert werden – ab 800 Millimeter jährlich abwärts kann Kaffee gar nicht angebaut werden. Auch hier sind die Sorten differenziert zu betrachten: Robusta benötigt zum Beispiel mehr Wasser als Arabica. Grundsätzlich sollte der Boden locker, durchlässig und tiefgründig sein, optimal ist Humus in der oberen Schicht, also ein leicht saures bis neutrales Bodenmilieu. Da Wind und Sonne im Übermass schaden, werden gerne Schattenbäume und Hecken zum Schutz gepflanzt.

Kaffeeanbau in Dalat in Vietnam
Kaffeeanbau in Rantepao in Indonesia

Von der Saat bis zur Bohne – der Kaffeeanbau im Überblick

In der Regel wird zum Kaffeeanbau Saatgut verwendet, das rund acht Wochen alt ist. Die Bohne wird dazu von Fruchtfleisch und Hülle befreit und wenige Zentimeter tief in den Boden gedrückt. Der ist im Idealfall leicht sauer. Es braucht fünf bis sechs Wochen, bis die Setzlinge in separate Behälter umgepflanzt werden können. Weitere acht Monate später können die Jungpflanzen ausgesetzt werden – und zwar in einem Abstand von 1,5 bis 4 m. Nun braucht es Zeit und Pflege: Kaffeepflanzen können mehr als 3 m gross werden, was die Ernte umso schwieriger macht. Deswegen werden sie auf eine Höhe von 1,5 bis 3 m zurückgeschnitten – schliesslich wird die Kaffeeernte in vielen Gebieten noch immer per Hand erledigt.

Nach vier Jahren kann die Sorte Arabica zum ersten Mal geerntet werden, doch erst nach zehn Jahren erreicht ein Kaffeestrauch seinen optimalen Ertrag. Der beläuft sich auf eine Menge von 1 bis 1,5 kg Kaffeebohnen je Pflanze. Kaffeepflanzen können durchaus 50 bis 60 Jahre und noch älter werden. Doch nach 15 bis 20 Jahren lässt die Ertragskraft meist nach, sodass sie gerodet und ersetzt werden.

Arabica-Kaffeebaumsetzling mit Kaffeebohne
Arabica-Kaffeebaumsetzling in Pflanzenschule
Kaffeebaumpflanze
Kaffeebaum

Kaffeeernte

Die Kaffeeernte erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl: Sie fällt zwar meist nur einmal im Jahr an, zieht sich aber fast drei Monate hin, da die Kaffeefrüchte an ein und demselben Strauch zu unterschiedlichen Zeiten reif werden. Nördlich des Äquators wird demnach von Juli bis Dezember geerntet, in südlichen Gefilden von April bis August. Diese Besonderheit im Kaffeeanbau wirkt sich direkt auf die geeigneten Erntemethoden und die jeweils zu erreichende Kaffeequalität aus:

Picking

Bei dieser Methode wird der Reifegrad der Früchte regelmässig überprüft, um dann die geeigneten Kaffeekirschen per Hand zu pflügen. Diese Art der Kaffeeernte ist ausgesprochen arbeits- und zeitintensiv, aber sie bringt die höchste Qualität: Es werden nämlich nur reife Kaffeefrüchte geerntet und weiterverarbeitet.

Kaffee picking in Ban Pang Khon in Thailand

Stripping

In dieser Variante der Kaffeeernte werde alle Früchte einer Pflanze auf einmal abgezogen, sodass Sie auf ein Tuch am Boden fallen. Es liegt auf der Hand, dass die Pflücker so schneller vorwärtskommen, doch es geraten auch unreife Kaffeefrüchte in die Ernte – die Qualität leidet also.

coffee stripping

Maschinell

Noch schneller funktioniert die maschinelle Kaffeeernte, die jedoch ebenso qualitative Abstriche mit sich bringt: Auch hier geraten unreife Früchte in die Ernte. Ausserdem können nicht überall Erntemaschinen eingesetzt werden, die Anbaugebiete sind entweder nicht dafür beschaffen oder die Investition lässt sich nicht realisieren. Nur in sehr grossen Kaffeeplantagen rentiert sich eine derartige Anschaffung.

Kaffeeerntemaschine

Kritik am intensiven Kaffeeanbau

Die Folgen intensiven Kaffeeanbaus für die Umwelt dürfen nicht unberücksichtigt bleiben: Um den Ertrag zu steigern und so die gefallenen Kaffeepreise ausgleichen zu können, wurden immer mehr große Plantagen in Monokultur und ohne die Raum fordernden Schattenspender angelegt. Die Folgen sind dramatisch, einerseits kommt es bei Starkregen zu Erdrutschen, wenn Plantagen am Hang angelegt sind, andererseits wird die Biodiversität dramatisch beeinträchtigt. Zugvögel finden keinen Unterschlupf mehr, das ausgleichende Wechselspiel der Schädlinge und Nützlinge ist gestört. Dünger und Pestizide sollen die daraus resultierenden Krankheiten und den Schädlingsbefall eindämmen – und belasten die Umwelt zusätzlich.

intensiver Kaffeeanbau
intensiver Kaffeeanbau in Brasilien

Die Lösung: Traditionen wiederaufleben lassen

Zurück zu den Ursprüngen: Kaffee wurde einst im Schatten grosser Bäume angebaut, sodass der natürliche Lebensraum kaum beeinträchtigt und eine hohe Artenvielfalt erhalten wird. Hier eignen sich insbesondere Bananenstauden, Grapefruit- oder Avocado-Bäume. Sinnvoll ist auch eine Polykultur, wie beispielsweise mit Ananas. Dadurch sinkt nicht nur der Bedarf an Dünger, sondern es können gleich mehrere Nahrungs- und Exportgüter geerntet werden. Wichtig ist es, die Kaffeebauern dazu regelmässig zu schulen – und die Preise zu garantieren.

ökologische Kaffeeplantage
ökologischer Kaffeeanbau
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