Südkorea als Kaffeenation: Die neue Trinkkultur der Koreaner

Kaffee, Südkorea

Früher waren die Südkoreaner große Tee-Liebhaber. Doch in nur zwanzig Jahren ist der Kaffeemarkt des Landes enorm gewachsen. Im Jahr 2018 trank jeder südkoreanische Erwachsene durchschnittlich 350 Tassen – das ist fast das Dreifache des Weltdurchschnittes. Wie ist Korea an diesen Punkt gekommen und wird der neue Markt Bestand haben?

Die Geschichte des Kaffees in Südkorea

Im 19. Jahrhundert brachte der westliche Imperialismus den Kaffee nach Südkorea. Dort wurde er zuerst für eine Teesorte gehalten und Cafés namens „Dabang“, also „Teezimmer“, wurden eröffnet. Kaffeetrinken wurde als modern angesehen. Jedoch handelte es sich hier eher um wässrigen Instantkaffee, der mit etwas Milchpulver aufgefrischt wurde.

Dado - Traditionelle Koreanische Teezeremonie
Dado – Traditionelle Koreanische Teezeremonie

1999 eröffnete schliesslich das erste Starbucks-Café in Seoul. Es wurde strategisch direkt vor einer Universität platziert. Bis heute ist Starbucks der umsatzstärkste Café-Konzern in Südkorea. 2001 folgte die erste Filiale von Ediya, der ersten koreanischen Kaffeehaus-Kette.

Durch die erwachte Liebe zur Koffeinbombe wuchs die Anzahl der Cafés in der Hauptstadt rapide. Plötzlich stand an jeder Ecke der Stadt Seoul ein Kaffeehaus. Heute gibt es 71000 Cafés im ganzen Land – fast die Hälfte davon befindet sich in Seoul und der dazugehörigen Provinz.

Wie sieht die Kaffeekultur in Südkorea aus?

Die Kaffeehäuser in Seoul tragen poetische bis exotische Namen, von „Talk and Sleep“ bis „Ediya“. Gemütliche Sessel und interessante Gebäckstücke erstrecken sich oft über mehrere Etagen und sind besonders ausgerichtet auf junge Städter. Die finden hier einen Zweitwohnsitz mit kostenlosem Internet, nachdem die Studentenwohnungen in Seoul oft sehr klein sind.

In Seoul werden nicht nur Kaffee-Klassiker angeboten, sondern vor allem neue und geradezu abenteuerliche Kreationen. Oftmals sind sie mit einer koreanischen Note angehaucht. Ob Trüffel, Kirschblüten oder Pfefferminze – es scheint wichtig, Spezialitäten zu erfinden. Allen ist eines gemeinsam: meistens sind sie unheimlich süß und für Espresso-Puristen geradezu überfordernd.

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Kaffee-Rausch in Südkorea: Wohin führt er?

Mittlerweile ist es, als ob der ganze Staat besessen von Kaffee wäre. In allen Einkaufsstraßen und Geschäftshäusern gibt es Cafés – gern auch mehrere direkt nebeneinander. Schulen, Bürohäuser und andere öffentliche Einrichtungen besitzen hingegen auf jeder Etage Kaffeeautomaten.

Auf dem Milchschaum entstehen in den Cafés ganze Kunstwerke aus Kakaopulver. Diese erstrecken sich bis hin zu politischen Karikaturen. Für junge Südkoreaner treibt das den Hype um Selfies mit dem Kaffeebecher nur noch an. Der Kaffee wird zum Statussymbol, nur noch befeuert durch die Fernsehindustrie.

Jetzt ist allerdings der Punkt gekommen, an dem auch negative Seiten sichtbar werden. Zu viele Südkoreaner versuchen sich an einem eigenen Café. Doch meistens sind es Einmannbetriebe mit viel Arbeit in zu wenig Zeit. Durch die grossen Rivalitäten in den Ballungsgebieten kommt es zu grossen finanziellen Verlusten: 2018 mussten von 14000 neuen Cafés 9000 schliessen. Die Kaffeekultur in Südkorea könnte in sich zusammenfallen – und bleibt gerade deshalb eine interessante Entwicklung.

Kaffee, Südkorea

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